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_Workshop für Tischler 1994/95
Designzentrum Berlin-Brandenburg GESTALTEN GESTALTEN !
Die alltägliche Arbeit gestalten. In der Tischlerei, wo die Säge meist geradeaus sägt, das Holz immer weniger riecht, die Zeit drängt, die Kunden es wie im Katalog wollen, die Preise nicht haltbar sind, scheint für solch traumtänzerische Bewegungen kaum Platz. Doch kann für den Handwerker diese Enge wertvolle Nähe sein: zum Material und seinen Qualitäten, zu den Werkzeugen/Maschinen mit ihren Möglichkeiten, zu den Arbeitsabläufen mit großem Erfahrungsschatz, auch an Improvisation und Akrobatik. Er steht mitten in einer Ausrüstung, die quasi über Nacht zum experimentellen Labor werden kann. Notwendig ist dafür eine Kopfbewegung: das Aufbringen von Vision, Wagnis und Zeit. Sich bewegen in vertrauter Umgebung, sich auf den Kopf stellen, sie auf den Kopf stellen. Suche nach neuen Möglichkeiten. Suche als Tätigkeit des Findens, des Erfindens, des Experiments und der Behauptung, der Erprobung und Verfolgung. Forschung und Entwicklung ist eine Investition, die im Gegensatz zu manchen Spezialisierungen Unabhängigkeit erzeugt. Ihre Kosten sind, zumindest in den kleinen Strukturen, kalkulierbar, ihre Folgen von großer Dynamik. Auch wenn bei weitem nicht jedes Experiment zu einem verwertbaren Ergebnis führt, so entstehen doch eine Unmenge an Erfahrungen und ein Gespür für Schritte in neues Terrain. Neben eigenen Prototypenentwicklungen bieten Alltagsaufträge immer die Chance, übliche oder auch geforderte Schemen in Frage zu stellen und eigene Lösungen zu erarbeiten, sie vorzuschlagen, anzuwenden, damit zu erproben und weiterzuentwickeln. Dienstleistung sehe ich hier nicht als passive Vollstreckung, sie soll aktives, innovatives Angebot sein. Eine eigene Handschrift meint keine schönen Buchstaben, sondern entwickelt sich aus den Inhalten und Intensitäten dessen, was zu sagen und zu tun ist. Die Gestaltung, die ich meine, orientiert sich wenig am Stil. Dieser ist im ständigen örtlichen und zeitlichen Wandel und kaum zu halten. Das bietet die Chance, selbst Gestalt und Stil neu zu erzeugen. Die Workshop-Aufgabe will Anstoß zu einer neuen Betrachtung einer alltäglichen Aufgabe des Tischlers geben: Finden / Erfinden Sie eine Konstruktion / Struktur, die aus vertikalen und horizontalen Elementen (Seiten und Böden) zusammengefügt ist. Suchen Sie nach den nur unbedingt notwendigen Elementen und ihren Verbindungen. Verknüpfen Sie die Möglichkeiten des Materials mit den Funktionen der Konstruktion. Finden Sie dafür einfachste, sinnvoll und leicht zu wiederholende Produktionsschritte. Vertrauen Sie der daraus resultierenden Erscheinung. Verstecken Sie nichts! Vergessen Sie das große Buch der Beschläge. Erinnern Sie sich Ihrer Material-, Konstruktions- und Maschinenerfahrungen. Aber weiten, beugen, verrücken Sie die Grenzen. Folgen Sie auch den Spuren in die Natur, Technik, Architektur, in die Welt der Kartenhäuser und Puppenstuben, in den Keller und in Schiffsbäuche, aufs Dach und unters Dach, auf Baumhäuser, in Jurten, in Uhrwerke, zu den Stapeln der Supermärkte... Erproben Sie in Ihrer Werkstatt die ersten Ideen. Bauen Sie Muster / Details. Verwenden Sie dazu das wirkliche Material im Maßstab 1:1. Verfolgen Sie auch die Spuren Ihrer Arbeit. Beschönigen Sie nichts. Wagen Sie zum Ende eine Weiterentwicklung zum Prototypen. Beleuchten wir dies aus den verschiedensten Winkeln. Finden wir selbst die nötigen Kriterien. Spekulieren wir über die Lebensfähigkeit des Gegenstands. |
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