Pure Gold

 

 

 

PURE GOLD

UPCYCLED !  UPGRADED !

 

> Eine Tournee-Ausstellung des ifa (Institut für Auslandsbeziehungen)

> Premiere im Inland: Museum für Kunst & Gewerbe Hamburg    15.09.2017 – 21.01.2018

> PURE GOLD Plattform

 

 

 

 

 

Plattform & Workshop Konzept

Axel Kufus

 

in Kooperation mit

> Anja Lapatsch & Annika Unger

> Jan Rikus Hillmann

> Alex Branczyk / xplicit

> Luxoom

 

 

BRAUCHEN  (scroll down for english version)

 

Verbrauchen gleicht einem scheinbar unaufhaltsam abwärts gerichteten Prozess, der den Wert eines Objekts mindert, bis er sich ins Negative wendet und dorthin anwächst – als Abfall, der mit seiner ganzen Substanz dieser Welt zur Last fällt.

 

Abfallbeseitigung versucht diese Lasten an abseitigen Orten und damit scheinbar unberührt vom Lebensraum der Verbraucher zu deponieren – ob über- oder unterirdisch, wozu seit jeher auch der Meeresgrund gehört. Ob hochgradig organisiert wie die Abfallbeseitigungswirtschaft oder acht- und verantwortungslos wie jeder einzelne, dem die Show- wichtiger ist als die Rückseite. Ein Stoffstrom, der an der Quelle der Ressourcen-Gewinnung beginnt, um oft nur für einen kurzen Lebenszyklus als Produkt uns Verbrauchern zu dienen, endet dort jäh und erzeugt mit seiner Hochkonzentration eine Art Lastendruck in seiner Umgebung, die wohl weite Zeiträume benötigen wird, um die umgebungsfremde Hochkonzentration wieder verträglich in die Stoffwechsel-Zyklen von und für Lebensformen aller Art integrieren zu können.

 

Abfallverwertung hat aber längst auch die Wertstoffe erkannt, aus denen Abfall besteht und versucht mittels vielfältiger Technologien, die Substanzen zu sortieren und zurückzugewinnen, um sie weiteren Verwertungen bis hin zur Energiegewinnung durch Verbrennen zur Verfügung zu stellen. Recycling und besonders Downcycling von Kunststoff, Papier, Textil, Glas und Metall sind durch gesetzliche Vorgaben in den westlichen Wirtschaftsräumen weitgehend etabliert worden, was sogar den Gesamtbegriff Abfallentsorgung in den Sprachgebrauch eingeführt hat.

 

Sorglos können wir allerdings angesichts eines immer rapideren Abfalls von Gebrauchs- und Symbolwerten frischer Waren, technischer Generationen und saisonaler Moden, die in Chatgeschwindigkeit um den Globus rasen, nicht sein. Die Stoffströme von Produktion hinein in ihren Abfall sind enorm angeschwollen, aber längst nicht elegant, längst keine Stoffkreisläufe, aus der die Natur lebt – und wir ja auch noch. Aber wir verbrauchen mehr als wir zurückgeben, viel mehr.

 

Abfall, so ist es ja auch im Wort zu lesen, ist immer ein Verlust – an Ressource, aus der die Substanz entnommen wurde, an Energie, die für die Stofflichkeit gebraucht wurde, und auch an Kultur – in der wir Verantwortungen entwickeln können, unsere Zyklen verträglich für die Welt zu machen.

 

Lebenszyklen unserer Produkte zu verlängern – auch jenseits der rein stofflich-technischen Optimierungen – ist eine naheliegende und gleichsam individuelle wie universelle Möglichkeit. Sind Produkte länger im Umlauf von Nutzungen aller Art, erübrigen sich für diesen Kontext Neuproduktionen, zumindest verlangsamen sie.

 

Dabei geht es aber nicht allein um die Sicherung des ursprünglichen Gebrauchswertes, etwa durch Reparatur- und Upgrading-Fähigkeit. Der Abfall des Wertes kann auch durch erweiterten Gebrauch, durch Umnutzung, Veredlung, Hacking, Transkontextualisierung aufgehalten werden – und sogar zu neuer Wertschöpfung und Wertsteigerung führen. Hierbei spielen insbesondere Symbolwerte eine wesentliche Rolle, also die eigentliche, die emotionale Beziehung von Menschen zu Objekten und den Umgang mit ihnen.

 

Werte von Objekten verhalten sich in jeder Kultur, in der sie erzeugt oder in die sie importiert wurden, sehr unterschiedlich. Globalisierungseffekte beschleunigen das Entstehen, das Verändern und den Verfall von Werten – und verkürzen damit die Nutzungsdauer von Produkten. Dies gilt besonders für die lokalen Werte, die vielfältig mit Kontext und Tradition verbunden sind und durch technische Attraktionen leicht übertrumpft werden können – egal, wie kurzfristig der Wert-verfall angelegt ist. Globale Design- und Marketing-Strategien, die sich darauf spezialisiert haben, Bedarf an der Teilhabe von Werten wecken, spielen darin eine treibende Rolle.

 

Das Ausstellungs- und Plattform-Projekt „PURE GOLD“ tritt seine Tournee um die Welt zu einem Zeitpunkt an, wo Kritiken an Globalisierungseffekten und kollektive wie auch individuelle Reaktionen auf vielfältigste Weise in Bewegungen und Gegenbewegungen geraten sind.

 

Die Bewegung, aus der die meisten der Exponate in der Ausstellung stammen, fußt im Do-It-Yourself,  also in der individuellen Herstellung oder Anpassung von Artefakten. Deren ursprüngliche Bestimmung, also deren Design, damit deren Gebrauchswert oder auch nur deren Symbolwert war auf abfallender Strecke aufgefangen und durch individuelle Intervention und wertschöpfende Manipulation zurück in den lebendigen Gebrauch umgeleitet worden – auf vielfältigste Weise, wie die Exponate es zeigen.

 

Die Exponate stehen damit für ein bottom-up-Prinzip, das aus den top-down-Strategien abfallenden Verbrauchs geschickt Potenziale zieht und für erweiternde Wertschöpfungen nutzt. Dies ist längst üblich und gekonnt überall dort, wo Not und Mangel erfinderisch macht. Wo aber alles im Überfluss zu haben scheint, setzten diese Objekte starke und phantasievolle Zeichen zu den Werten, die sich aus den ausrangierten Artefakten und in den neu arrangierten Bestimmungen und Bedeutungen wecken lassen.

 

Können die Upcycling-Modelle zu neuen Wertschätzungen und Wertschöpfungen beitragen? Kann durch Design Neues aus Altem derart kultiviert werden, dass Nutzungen von Stoffen weitreichender, verzweigter, langlebiger gelingen? Kann das Design lernen von nicht ursprünglich intendierten, improvisierten Nutzungen und ihren Werten, denen es im Dienst der Märkte sonst nie auf die Spur gekommen wäre?

 

Von diesen Fragestellungen gehen die Workshops aus, die im Rahmen der Wanderausstellung „Pure Gold“ an allen Stationen mit organisatorischer Unterstützung der Ausstellungs-Veranstalter durchgeführt werden. Die Ausstellung will also nicht nur zeigen, sondern auch lernen und sich über den Projekt-Blog www.puregold.ifa.de und die damit verknüpften Social-Networks-Plattformen Station für Station erweitern.

 

Lokale Akteure aus Kunst und Design, aus Hochschulen und Handwerk werden eingeladen, regionale Praktiken und individuelle Perspektiven von Nutzungs-erweiterungen in einem kreativen Prozess auszutauschen, neu zu interpretieren und experimentell zu erproben. Daraus sollen Upcycling-Rezepturen gewonnen werden, die gemeinsam in kurzweiligen Video-Clips, den „Instructables“, dokumentiert und publiziert werden. Die Machart der Pure-Gold-Clips ist bewußt einfach aber phantasievoll anregend gehalten. Der technische Aufwand ist gering – mit jedem Mobilphone lässt sich heute ein Instructable aufnehmen, schneiden und posten. Die Redaktion der Pure-Gold-WebSite wird  für Auswahl und Postproduktion sorgen.

 

Noch sind relevante Inhalte zum Thema Upcycling in den populären Foren der weltweit wachsenden D.I.Y., Maker- und Craft-Communities weitgehend unterentwickelt, auch wenn ein reger Austausch von Reparatur- und Bau-Anleitungen wie auch von Rezepturen in Form von Video-Clips wächst und gedeiht. Durch aktives Posten der Pure-Gold-Clips  mit ihren Rückbezügen zur laufenden Ausstellungstournee und ihren lokalen Workshops soll der Diskurs zu Upcycling-Strategien weiter angeregt, differenziert und verzweigt werden.

 

Nicht nur online, auch in den Ausstellungen an den Tournee-Stationen werden die Pure-Gold-Instructables in einer interaktiven Installation präsentiert. Die Besucher können ihre lokalen Perspektiven und Erfahrungen mit den Rezepturen der vorherigen Stationen verknüpfen – und über die Social-Media eigene Clips posten. Mit dieser zeitgenössischen Form des Austauschs von Wissen und Erfahrung, von Globalem und Lokalem erweitert und aktualisiert sich die Ausstellung in ihrer langen Laufzeit. Tournee-Ausstellung und Plattform ergänzen sich zu einem wechselwirkenden Paar und schaffen einen aktiven Diskurs- und Entwicklungsrahmen. So dürfen wir gespannt bleiben, wie weit sich die Kulturen des Upcyclings in den Jahren der Pure-Gold-Tournee weiterentwickeln und hoffen, dabei mitwirken zu können.

 

Axel Kufus, Berlin 2017

 

 

 

USING

 

To use something is like a seemingly unstoppable downwards spiral, in that it reduces that thing’s value even up to the point where that value becomes increasingly negative – as waste and a burden to our world in all its materiality.

 

The removal of waste attempts to shift this burden to remote places that seem to be far away from where the users live, both above and below ground, and this has always also included the sea floor. This process can be highly organized, as in the waste disposal business, or careless and irresponsible, as in the case of all those individuals for whom a glossy facade is more important than what goes on behind the scenes. There is a great flow of materials that begins at the source of materials acquisition, to then spend only a short lifetime as products for consumers. This comes to a sudden end, leaving a high concentration of waste that overburdens the immediate environment, which in turn needs long periods of time to amenably reintegrate this environmentally alien high concentration into the metabolic cycles of and for life forms of every kind.

 

The waste disposal industry long ago recognized the valuable materials that make up waste, and has used diverse technologies to sort and regain these substances so that they can be reused in various ways, including burning them for energy. Recycling and in particular the downcycling of plastic, paper, textiles, glass, and metals are now widely established in the Western economies on the basis of laws and regulations, so that the term waste disposal has become common usage in our language.

 

But there is no room for complacency, as fresh foods, generations of technical consumer goods, and seasonal fashions that all travel the globe at the speed of chat are all experiencing an ever faster loss of use and symbolic value. The material flows of production into waste have grown exponentially, and are far distant from the interplay of metabolic processes that nature is based on. We are living from the world and not with it. We are using more than we are giving back – much more.

 

Waste, as the word suggests, is always a loss, in resources from which the substance has been removed, and in energy that has been consumed to create something material, and in culture, in which we can develop a sense of responsibility that wants to make our product cycles sustainable for the world.

 

Lengthening the life cycles of our products, beyond material and technical optimization, is an obvious and also both an individual and universal option. If products are used longer and for uses of all kinds, then new production becomes either unnecessary or at least slower.

 

This is not a matter of just securing an original use value, by repairing or upgrading. The loss of value can also be halted by expanded use, using something for a different purpose, enhancing it, hacking, or trans-contextualising. This can even lead to new added value. Symbolic values can play a special role here, meaning the actual emotional relationship that people have with objects and their use of them.

 

The values of objects are seen very differently in the cultures that produce them and the cultures into which they are imported. The effects of globalization accelerate the production, the transformation, and the loss of value, and they thus also accelerate the periods of use of products. This is particularly true for local values that are linked to contexts and tradition in many ways and can be easily trumped by new technical attractions, no matter how short-lived the (loss of) value of these is. Global design and marketing strategies that are specialized in arousing needs concerning the participation in values play a key role.

 

Pure Gold is an exhibition and platform project that is beginning its world tour at a time when critique of the effects of globalization and both collective and individual reactions to it are being expressed in many ways in movements and counter-movements.

 

The movement from which most of the objects shown in this exhibition derive is based on the idea of Do It Yourself – the individual production or adaptation of artefacts. The original purpose of these – their design and their use value or symbolic value – is halted half-way and then returned to daily use by means of individual interventions and value-enhancing manipulation. This is happening in many ways, as the exhibits here show.

 

These works stand for a bottom-up principle which cleverly finds potential in the top-down strategies of value-diminishing use, and then uses this for expanded added value. This has long been the case, and is done in expert fashion everywhere where scarcity and need make people inventive. Where everything seems to be available in abundance, these objects strongly and imaginatively assert the values that can be created from thrown away artefacts with new purposes and meanings.

 

Can these upcycling models contribute to new forms of appreciation and create new value? Can design cultivate the art of making something new out of something old, making the use of materials more varied in more contexts, and more long-lasting? Can design learn from originally unintended forms of use – from the improvised usages and values that it would never have discovered in the service of the markets?

 

These are the questions and issues that will be considered in the workshops that will take place in conjunction with the touring exhibition Pure Gold at all venues and with the organizational support of local hosts. This exhibition does not just want to show something but also to learn something, and to expand venue by venue via the project blog at http://pure-gold.ifa.de and other linked social network platforms.

 

Local protagonists from the fields of art and design, and representatives of universities and active artisans will be invited to exchange regional practices and individual perspectives on expanded usage in a creative process, including reinterpretations and experiment. The aim is to provide “recipes” for upcycling that can be made into entertaining video clips and published as “Instructables.” The form of these Pure Gold clips is deliberately simple, but also imaginative and inspiring. The technical production is easy, and an Instructable can be filmed, edited and posted with any smart phone. The editors of the Pure Gold website will be responsible for selection and post-production.

 

Relevant material on the theme of upcycling is still underdeveloped in today’s popular forums in the globally expanding D.I.Y., maker and craft communities, even if there is a growing and flourishing exchange of video clips with instructions for repair and construction. By actively posting Pure Gold clips that refer to the current exhibition tour and to our local workshops, we wish to further encourage, diversify and disseminate discourse on upcycling strategies.

 

The Pure Gold Instructables will not only be presented online, but also in the exhibitions during the tour in an interactive installation. Visitors can link their local perspectives and experiences with the Instructables produced at previous venues, and then post their own clips via social media. This state-of-the-art form of the exchange of knowledge and experience and of the global and local will expand and update the exhibition through-out its long duration. The touring exhibition and the platform enhance and influence each other, creating an active discourse and framework for development. We can remain curious to see how far cultures of upcycling develop during the years of the Pure Gold tour, and we hope to be able to make a contribution to this development.

 

Axel Kufus, Berlin 2017