mit dem standbein spielen

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aus: ‚design is a journey‘ – positionen zur gestaltung (’96). rat für formgebung

mit: bruns/schulte/unterberger. Springer Verlag, Berlin / Heidelberg 1997

 

wie würdest du deinen beruf bezeichnen?

 

früher habe ich mich immer als schreiner und designer bezeichnet, weil mir diese verbindung von oft gegensätzlichen tätigkeiten sehr wichtig war. der bereich der produktion hat mit ganz anderen verantwortlichkeiten zu tun, als die arbeit, in der ich versuche, mich von materialgesetzen und produktionsvorgaben zu lösen. im moment habe ich wieder zwei pole: mein atelier in berlin, wo ich eigene arbeiten entwickle und die hochschule in weimar, wo wir eine neue fakultät für gestaltung aufbauen. eine kurze bezeichnung kann ich aber nicht geben. das ist wie mit meinem alter: das hab ich auch nicht gleich parat, obwohl ich weiß, daß ich 1958 geboren bin, das ändert sich ja auch ständig.

 

wie war, kurz gefasst, dein ausbildungsweg?

 

nach dem abitur habe ich eine schreinerlehre gemacht. ich hatte das glück, von einem sehr interessanten altgesellen zu lernen, der mich als seinen zweiten sohn auserkoren hatte. er war ein weit gebildeter mensch mit 60 jahren, der über das wagnern, drechseln, zimmern und möbeltischlern alles gemacht hatte. diese begegnung war wesentlich, da ich von seiner arbeitsweise viel gelernt habe.

 

ich bin danach zu einer gruppe von bildhauern in der bayrischen hochrhön gestoßen. wir haben dort archaische werkstätten betrieben. eine holzwerkstatt, die wir irgendwo zusammengekauft haben, eine metallwerkstatt und eine bronzegießerei. dabei habe ich gelernt, eigenständig zu arbeiten. mit richard mühlemeier, einem bildhauer und bronzegießer, habe ich möbel entworfen, die auch schon in die richtung der vervielfältigung gingen.

 

nach drei jahren bin ich dann zur meisterschule gegangen, ein rückschritt auf die schulbank. die ausbildung ist heute eine reine disziplinierung. man weiß, was man nicht darf und bekommt nicht mit, was man machen könnte.

 

als ausdruck meiner auflehnung dagegen habe ich in der zeit danach erst einmal nicht mehr geschreinert. ich habe im anschluß an diese prüfung zusammen mit der bildhauerin ulrike holthöfer in kassel in einem großen atelier ohne maschinen objekte gemacht, die wir aus sachen kombiniert haben, die wir in abfallcontainern von supermärkten oder auf schrottplätzen fanden. manche waren nur kurzzeitig vorhanden, z.b. eis-tische oder schnee-stühle. es waren installationen und experimente, ein arbeiten ins blaue hinein. einige dieser arbeiten sind dann in der ausstellung ‚wohnen von sinnen‘ in düsseldorf, der ersten größeren ausstellung des neuen deutschen designs, gezeigt worden. das war mein erster kontakt zur designwelt

 

gab es damals vorbilder für dich?

 

vorbilder waren im bereich der kunst zu suchen, nicht im design. trotzdem habe ich mich zum designstudium an verschiedenen hochschulen beworben und konnte nach berlin an die HdK gehen. dort habe ich aber bald gemerkt, daß ich nicht so arbeiten konnte, wie ich das wollte. ich hatte schon relativ viel erfahrungen mit eigenen untersuchungen, mit eigenen projekten und mit eigenen orten der arbeit. in dieser riesigen stadt war es für mich schwierig, möglichkeiten von arbeitsentwicklung zu finden, die daran anknüpften. ich bin damals oft nach kassel gefahren, wo wir noch das gemeinsame atelier hatten, bis ich durch andreas brandolini die möglichkeit hatte, in die crelle-werkstatt in schöneberg miteinzusteigen, die gerade gegründet war. ich hatte, wie sich zeigte, einen ort gefunden, mit dem ich mein leben, meine arbeit und meine experimente finanzieren konnte. wir hatten gemeinsame maschinen, aber jeder war sein eigener unternehmer. bei großen aufträgen arbeiteten wir als arge zusammen. wir waren keine ordentlich angemeldete schreinerei, sondern ein ausstellungsbaubetrieb, mit dem wir viele berliner ausstellungsbauten entwickelt und produziert haben. durch die arbeit hat sich ein netzwerk aufgebaut, was für mein weiteres tun sehr entscheidend war. es gab projektbezogene arbeitsgemeinschaften, die nach abschluß des projekts wieder auseinandergingen. ein lockeres und funktionierendes netzwerk von unterschiedlichsten gewerken. in dieser struktur zu arbeiten hat sehr viel spaß gemacht . als ich mit meinen eigenen entwürfen weiterkommen konnte und auch geld verdiente, habe ich mich aus den auftragsarbeiten immer mehr rausgezogen. eigene serien konnte ich gemeinsam mit den anderen produzieren. aber eben nicht als reiner produktsbetrieb, in dem ich ständig aufträge ranholen mußte, um mitarbeiter zu versorgen. entscheidend war, daß es diese abhängigkeiten nicht gab, und daß der apparat klein gehalten wurde. jeder konnte sich selbstbestimmt und selbständig entwickeln.

 

was zeichnet den designer axel kufus aus? was unterscheidet ihn vom schreiner?

 

ich habe versucht, die beiden bereiche in meiner person zu vereinen. ein designer kann als nomade an den verschiedensten orten halt machen. ein schreiner steht in einer werkstatt und produziert. in den seltensten fällen gelingt es aber einem betrieb, aus einer produktiosstätte ein labor zu machen. das verlangt vor allem oder eigentlich nur eine kopfbewegung, weil es schon per definitionem zu einem labor werden kann, indem man sagt: in der nächsten woche läuft kein auftrag, sondern ich probiere neue sachen aus.

 

ich bin nicht in eine produktionsabhängigkeit geraten, in der täglich eine bestimmte menge von gegenständen die werkstatt verlassen mußte, sondern ich konnte auch punktuell oder rhythmisch arbeiten. das beschreibt vielleicht nicht die grundsätzlichen unterschiede zwischen schreiner und designer, aber es ist zumindest eine sache, die den schreiner auszeichnen könnte, sollte er sich dem anderen annähern.

 

welche grundhaltung begleitet deine arbeit? kannst du deinen arbeitsansatz näher beschreiben?

 

produktgestaltung ist das erfinden und entwickeln von produkten und ihren prozessen. das entdecken und anstoßen, das formen und verantworten. der designbegriff ist mittlerweile so breitgetreten, auch so komisches wie das fingernageldesign scheint dazuzugehören.

 

in den seltesten fällen weiß ich genau, wie design geht. ich habe kein verhaltensmuster im kopf, mit dem ich mich auf alle möglichen nischen mit irgendwelchen fragestellungen zubewegen kann. aus diesem grund würde ich designleistungen immer nach völlig unterschiedlichen kriterien beurteilen. das können nicht immer die selben sein.

 

momentan brennt am meisten unter den nägeln der widerspruch zwischen dem anspruch an die leistung von produkten und dem, was diese produkte in ihrer herstellung und ihrem handling erfordern. es gelingt in den wenigsten fällen, konzeptionen zu finden, die in hinsicht auf die ökologie wirkliche fortschritte mit sich bringen.

 

ich sehe es als wichtige aufgabe, die wege eines produktes, den gesamten zyklus mit zu gestalten oder darauf einfluß zu nehmen. auch soweitgehend, daß die details bis zur äußeren erscheinungsform eines produktes dieser gestaltung unterliegen. ihre gestalt ist dann das resultat dieser prozesse. da liegt ein schwerpunkt meiner arbeit.

 

siehst du deine arbeiten in der tradition des funktionalismus?

 

wenn es einer einordnung bedarf, müsste der alte begriff des funktionalismus eine erweiterung erfahren ­ was aber auch schon längst geschehen ist.

 

bei mir entstehen die meisten dinge nicht aus aufgabenstellungen mit vorbestimmten funktionen. meine produkte entstehen aus einer wolke, aus einer unbestimmten art des bastelns und des herumfummelns und einer spielerischen auseinandersetzung mit materialien, mit gedanken über konstruktionen und naturgesetzen. es ist wie eine findung, die noch ganz unbestimmt ist. danach setze ich mich damit in der art auseinander, daß ich es auf bestimmte funktionen hin weiterentwickle, mit den überlegungen zur vervielfältigung, zu den prozessen der produktion, zum sinn und zweck. die sachen entstehen bei mir nicht aus einer analyse eines problems. ich setze etwas in die welt, von dem ich nicht weiß, was es ist und wie es heißt und versuche durch ein anschieben dieses etwas der realität anzunähern.

 

deine arbeiten haben eine vergleichbare visuelle sprache. sie vermitteln in ihrer schlichtheit eine zusammengehörigkeit, bei der man den designer axel kufus erkennt.

 

daß ich in meiner arbeit immer wieder zu gestalten komme, die sich hinterher ähnlich sehen, liegt nicht daran, daß ich versuche, sie in einen ganz bestimmten stil hineinzubringen. es liegt an dem möglichkeitsspektrum, das sich mir in meinen vermutungen und kenntnissen des materials, der konstruktion und der machbarkeit öffnet. ich habe z.b noch nie etwas mit kunststoffen gemacht. die vergleichbarkeit der gegenstände ist ein ergebnis des ’sports‘, den ich betreibe, die arbeit mit den dingen auf ein minimum zu reduzieren. das aussehen ist nur der ausdruck der reduzierten konstruktion.

 

ich versuche die konstruktion so weit zu reduzieren, daß ein bauteil möglichst mehrere funktionen übernehmen kann, z.b. ein schrankschanier, das die tür hält und gleichzeitig der statischen gesamtkonstruktion dient. es wird oft als perfektionismus mißverstanden, den ich aber eher in möbeln sehe, die wie von geisterhand fugenlos zusammengehalten sind, mit allem möglichen komfort und perfekter oberfläche ausgestattet. das führt zu einer überqualifikation des gegenstandes und hat mit meinem anspruch, gegenstände mit geringstem aufwand und angemessener qualität zu erzeugen, nichts zu tun.

 

ist es deiner gewißen bescheidenheit zuzuschreiben, das ‚design‘ so sehr zurückzunehmen, im gegensatz zu einem design, das durch seine optik anspricht?

 

ich bin nicht unglücklich, wenn design-lösungen entstehen, die auf den ersten blick nicht wahrnehmbar sind, sondern erst auf den zweiten oder fünften blick in erscheinung treten. ich bin ganz froh, wenn mir gegenstände gelingen, die sich nicht aufdrängen. ich habe gott sei dank die ausrede, daß die überlegungen zur kostengünstigen und einfachen produktion automatisch zu zurückgenommenen lösungen führen.

 

dein FNP-regal z.b. ist so ein produkt, was sich sehr zurücknimmt. wie ist dieses regal entstanden?

 

1987 habe ich dieses konstruktionsprinzip bei einer auftragsarbeit entwickelt: in kürzester zeit mußten für die damalige bürgerbefragung zum flächennutzungsplan (FNP) berlin möglichst viele regalfächer geschaffen werden. mit den üblichen methoden wie verschrauben oder verdübeln war das in dem zeitrahmen nicht zu schaffen oder man hätte bereits bestehende regalsysteme einkaufen müssen. mit dieser erfindung aus zeitnot habe ich dann das regalsystem entwickelt, wie es heute auch verkauft wird, mit den fächergrößen, die auf bücher und ordner abgestimmt sind, und darauf, daß nach der fertigung möglichst nur noch staub als verschnitt übrig bleibt. ich war überrascht, zu einer lösung gekommen zu sein, die fast verschwindet, wenn bücher drin stehen. es ist dann nur noch struktur. was übrig bleibt an gestalt entspricht den produktionsbedingungen: mitten in der Stadt, kleine werkstatt ohne kantenbügelautomat oder fertigungsstraßen, sinnvoller materialeinsatz, wenige fertigungsschritte.

 

für wen gestaltest du? wenn deine produkte auf den zweiten blick wirken, rechnest du wahrscheinlich mit einem geschulten, aufgeklärten publikum.

 

ich habe bei meinen arbeiten keine zielgruppen im kopf. aber die meisten eigner des regalsystems sind wahrscheinlich architekten oder leute, die sich oft mit konstruktiven dingen auseinandersetzen und in diesem regal eine lösung entdecken, die schlüssig, einfach, aber doch nicht allgegenwärtig ist. aber ich glaube, die meisten details, die eine angenehme atmosphäre in einem raum bewirken, muß man nicht erkennen, um sich dort wohl zu fühlen.

 

aber es ist trotzdem ein bildungsbürgertum, das deine produkte kauft. hat das auch mit dem preis zu tun? inwieweit hast du einfluß auf verkaufspreis und vertrieb?

 

ich bin mit meinen produkten ja nicht allein auf der welt, sondern es gibt eine menge anderer tische, stühle, container und regale. es gibt viele sachen, deren hintergründe ich zwar ahne, aber doch nicht genau verstehe. z.b. gibt es in lockangeboten einen holzstuhl mit zargen, gebogener lehne und gewölbter sitzfläche für DM 19,90. wenn mein stuhl, auf dem wir hier sitzen, neben dem einfachen küchenstuhl steht, und der eine DM 350, der andere DM 19,90 kostet, zeigt sich eine unglaubliche differenz. trotz massenfertigung sind aber doch trotzdem immer menschen beteiligt, die bäume fällen, teile in maschinen stecken, sie wieder rausholen und verpacken. es werden mieten und strom gezahlt und, und, undŠ das läßt sich nur über globale marktmechanismen verstehen. es bleibt aber die frage: wie kann man in akzeptablen strukturen zu preisen produzieren, die dem gegenstand entsprechen. mir geht es nicht darum, IKEA zu unterbieten, weil die unter bedingungen produzieren, an denen ich nicht teilhaben wollen würde. ein schreiner kann zu den IKEA-preisen nicht einmal das rohe holz bekommen. vieles ginge billiger, wenn man sich über kommunikationsbrücken zu temporären einkaufs-, produktions- und vertriebs-gemeinschaften zusammenschließt. ich glaube, daß die zeit dabei für uns arbeitet, weil die kommunikationswege kürzer werden. es wird sicherlich noch einige jahre dauern, bis sie auch für kleinere strukturen und kurzfristige netzwerke benutzbar sind. mit ausgeklügelten strategien ließen sich kräfte effektiv zusammenbringen, ohne einen konzern daraus zu bauen, da sie danach wieder auseinandergehen. unter IKEA-preise kommt man damit auch nicht, aber preise müssen die bedingungen, unter denen produziert wird, beinhalten. die qualität eines produktes sieht man nicht nur an der oberfläche, sondern sie steckt in dem gesamten zyklus der fertigung.

 

inwiefern hast du denn einfluß auf diesen zyklus, z.b bei deinem FNP-regal?

 

darauf habe ich großen einfluß, weil ich die produktion selbst entwickelt habe. erst habe ich es in berlin gebaut und verkauft, dann kamen städte, wie düsseldorf, bonn, stuttgart und hamburg dazu, in denen es zum teil in einer vertragswerkstatt vor ort produziert wurde. später habe ich den vertieb an nils holger moormann abgegeben. seine vertriebskonzeption konnte ich guten gewissenes befürworten. nach wie vor wird das system von kleinen werkstätten hergestellt, es ist von der machart so ausgereizt, daß der kleinbetrieb es mit meinen schablonen kostengünstiger produzieren kann als ein großkonfektionär mit seinen numerisch gesteuerten maschinen.

 

kannst du dir bedingungen vorstellen, unter denen du produkte für die massenfertigung entwirfst?

 

durch meine tätigkeit in weimar bin ich gefordert, mich auch jenseits der kleinen strukturen umzusehen, aber für meine arbeit stand ich bisher noch nicht vor der aufgabe. um z.b. einer zahnbürste eine modische form zu geben, würde ich gar nicht gefragt. ich bin auch nicht talentiert, einer zahnbürste, die sich nur über die form verkauft, diese form zu geben. ich verfüge nicht über die art von handschrift, die nötig wäre, ein produkt formal zu veredeln. aber ich möchte mich garnicht gegen massenproduktion stellen, denn viele dinge, mit denen wir umgehen, haben damit zu tun.

 

aber du setzt dich ausdrücklich für die kleineren strukturen ein.

 

ich will mich dafür stark machen, wie sich andere für andere gebiete stark machen. um ein kleines produktionsmodell als beispiel zu nennen: verschalungsplatten für den betonbau werden in großem stil industriell hergestellt, kleine werkstätten können ohne großen aufwand dieses hochwertige halbzeug nach ausgeklügelten entwürfen zu qualitätsvollen möbeln weiterverarbeiten. so läßt sich eine flexible, dezentrale produktion erzielen. das material wird verdichtet durch die gegend gefahren und vor ort weiterverarbeitet, im gegensatz zum weiten transport von fertigen möbeln, die viel luft beinhalten. man kann in den kleinen einheiten aber auch flexibel auf mögliche schwankungen und spezielle nachfrage reagieren. es ist also nicht so, daß eine vorproduzierte menge eines produktes mittels marketingstrategie und bedarfsweckung an den mann gebracht werden muß. es ist eine produktion bei bedarf und im besten fall kostengünstig.

 

in weimar und umgebung habe ich in zusammenarbeit mit anderen vor, nach weiteren entwicklungsmöglichkeiten für kleinere strukturen zu suchen. wir wollen impulse geben und gemeinsam neue wege der regionalen produktion erforschen und erproben.

 

wie funktioniert dieses modell in weimar in der zusammenarbeit der beteiligten gruppen? was kann es konkret bewirken?

 

in weimar sind wir ja mit den projekten noch ganz am anfang und es fehlt noch know-how und ausrüstung. aber es werden jetzt temporäre labors mit externen werkstätten und betrieben entstehen. In diesen konkreten zusammenhängen wollen wir experimentieren, erfinden und gestalten.Das schafft für beide seite neue arbeitsfelder oder die konzeption einer art halbzeug-börse: halbzeuge gibt es nur in bestimmten standards. z.b. werden diese schalplatten nur in wenigen farben hergestellt. die palette ist oft abhängig von den großkunden, wie einem bestimmten lastwagenhersteller oder der post. wenn die post ihre farbe wechselt, dann wird das gelb nicht mehr produziert, weil nur großmengen die herstellung rentabel machen. wir versuchen einen informationspool zu konzipieren, der die kleinen mengen miteinander verbindet. es geht um die bündelung und vernetzung von angebot und nachfrage. es sind noch viele fragen offen, z.b. die frage des suchens und findens am bildschirm. ich möchte das im kleinen bereich anstoßen, aber im grunde müßte es europaweit entstehen.

 

wie definierst du deinen lehrauftrag in weimar?

 

ich sehe es als gemeinsames unternehmen, forschen, weiterentwickeln, suchen und finden, um in dieser gleichzeitigkeit zu lehren und zu lernen. ich kann nichts lehren, was ich schon immer wußte, weil das, was ich schon immer wußte, flüssig ist, oder einfach nicht anwendbar. ich möchte mit konkreten vorgängen, in die ich die studierenden involviere, lehre betreiben. ich habe eher unbestimmte vorstellungen am anfang eines projektes. es gibt strategien, die ich vorschlage, die sich aber auch in der arbeit weiterentwickeln. die arbeit soll aktuell und akut sein und ich halte nichts davon, etwa aus dem nähkästchen zu plaudern.

 

siehst du das als chance der einflußnahme auf deine studenten, die so auch deinen ansatz nach der ausbildung weitertragen?

 

wir haben natürlich den auftrag der einflußnahme. mein hauptziel dabei ist es, die studierenden zu möglichst großer selbständigkeit und verantwortlichkeit anzustiften. sie sollen sich nicht damit begnügen, irgendwelche aufgaben gestellt zu bekommen, sondern sie sollen selbst aufgaben entwickeln und verfolgen.

 

inwieweit kann deine gestalterische arbeit gesellschaftliche prozesse beeinflussen?

 

die großen veränderungen in der wirtschaft und in der politik werden kaum durch kleine schritte, wie ich sie beschrieben habe, tangiert. die menschen, mit denen ich umgehe und zusammenarbeite, werden sicher von meinen vorstellungen von gestaltung, von arbeit und von sich bewegen in der gesellschaft beeinflußt. im besten fall entstehen durch meine arbeit neue und interessante arbeitsfelder für andere. wenn wir hier in meinem entwurfsbüro arbeiten, dann ist es selten so, daß ich der chef bin, der den leuten sagt, was zu tun ist. ich habe die besten erfahrungen gemacht, gemeinsam auf einer stufe zu stehen, wo jeder seinen verantwortungsbereich einnimmt. das ist eine eher horizontale strategie, die auch wieder mit dem netz zu tun hat, und die auch wieder auf die selbständigkeit und verantwortlichkeit hinweist.

 

gibt es ein projekt, das dir gründlich mißlungen ist? man spricht in der regel immer über die, die vorzeigbar und bekannt sind.

 

meine kisten und kästen sind voller versuche. die fälle, in denen eine gestalt, die meinen überlegungen entsprungen ist, sich als wirklich lebensfähig gezeigt hat, sind sicher nicht alltäglich.

 

gibt es einen traum von dir, den du gerne realisieren möchtest?

 

ich möchte arbeit und privates leben so verbinden, daß sie auf der einen seite sehr eng zusammengehören, aber sich auf der anderen seite der streß und der druck aus der arbeit nicht unendlich in die freien stunden und in den schlaf überträgt. und reisen…

 

gibt es ein produkt, das du gerne mal gestalten möchtest?

 

ich bin nicht auf einen gegenstand fixiert. ich hatte vorhin von der ‚börse‘ gesprochen, die durch eine intelligente Konzeption mit einfacher oberfläche für viele nutzbar werden soll. und immer wieder netze, wie das Beispiel im damaligen berlin, wo arbeit so viel abwerfen konnte , daß damit forschung und entwicklung finanzierbar waren. ich glaube, daß das nicht nur in ‚goldenen zeiten‘ geht, sondern daß es auch gerade jetzt in dieser phase des strukturwandels wichtig ist, diese möglichkeiten zu schaffen.

 

ein produkt würde mich schon reizen: ein haus, das als wesen eine offene konzeption hat, die versucht den weg zwischen dauerhaftigkeit und veränderbarer konstruktion zu erfinden. ich glaube, daß immer noch viel zu schwer gebaut wird, mit viel zu viel material, mit dem versucht wird, raumauffassungen nachzuempfinden, die aus anderen möglichkeiten für die produktion enstanden sind.

 

what makes you tick? was schmeißt dich morgens aus dem bett und treibt dich an?

 

es sind die kinder, die mich morgens aus dem bett schmeißen. ich mußte erst lernen, den rhythmus der kinder mit mir zu vereinbaren. das leben und arbeiten, ohne zu wissen, wann ich ins bett gehe, wann ich wieder aufstehe, mich in tänze begebe in einer umgebung, die nicht geordnet ist, sondern wo chaos herrscht, das geht verloren, wenn die kinder warten. das ist ein großer verlust, wobei ein anderes chaos aber wieder dazu kommt. das ist ein großer gewinn. aber die kinder sind ja noch klein und ich habe den traum, diese strengen rhythmen wieder aufzulösen und zeiten zuzulassen, in denen zeit und ziel wieder unbestimmt sind, etwas rauschhaftes. das tickt mich.

 

‚design is a journey‘ ist der titel unseres projektes. wie verstehst du das?

 

das soll so sein und ganz oft ist es auch so. aber nicht nur design is a journey, viele tätigkeiten, berufe und verantwortungen sind auch a journey. wege zu gehen in etwas offenes, wobei das erfinden von möglichkeiten der arbeit ein teil der arbeit ist, ginge mir sicherlich nicht nur als designer so.

 

damit wären wir wieder am anfang.

 

genau.